Stellungnahme des amtierenden Vorstandes des Arbeitskreises für Donogene Insemination e.V. zum ZEIT ONLINE-Artikel „Tief in den Genen“ vom 13. Februar 2019 und den darin erhobenen schwerwiegenden Vorwürfen gegen das ehemalige Vorstandsmitglied Professor Katzorke.

In dem Artikel „Tief in den Genen“ zur medizinischen Samenspende berichtete die ZEIT am 13. Februar 2019 von dem Vorwurf gegen den langjährigen Vorsitzenden des Arbeitskreises für Donogene Insemination e.V. Prof. Dr. Thomas Katzorke, der nach Verwendung seines eigenen Samens mit einer von ihm oder einem anderen Arzt des damaligen Teams an der Uniklinik Essen betreuten Patientin Ende der Siebzigerjahre ein Kind gezeugt hat. Der bereits im November 2018 aus Altersgründen vom Vorstand zurückgetretene Prof. Dr. Katzorke bestreitet die Vorwürfe demnach nicht, weist aber darauf hin, dass weder er noch die betroffene Patientin sich daran erinnern könnten, ob er die Behandlung, die zur Schwangerschaft geführt hat, damals tatsächlich selbst vorgenommen hatte.

Angesichts der Vorwürfe eines ärztlich unethischen Handelns seines ehemaligen Vorstandsmitglieds, zeigt sich der Vorstand des Arbeitskreis bestürzt und distanziert sich ausdrücklich von einem solchen Handeln.

Es ist tiefste Überzeugung unseres Verbandes, dass Ärzte und Mitarbeiter keine Samenspender sein dürfen, auch wenn dies Ende der 70er Jahre juristisch und berufsrechtlich aufgrund fehlender Vorgaben möglicherweise nicht strafbar war.

Bereits 1996, nur rund ein Jahr nach der Gründung des Arbeitskreises Donogene Insemination am 25. März 1995 in Jena, wurde eine erste Richtlinie des damaligen Vorstands verfasst, welche 2006 überarbeitet wurde und explizit vorschreibt, dass Ärzte und ihre Mitarbeiter nicht als Spender in ihren Einrichtungen tätig werden dürfen.

Im Sinne der Aufarbeitung und eindeutigen Positionierung zog der Verein entsprechende Konsequenzen aus dem bekannt gewordenen Fall um Prof. Dr. Katzorke: Der Verein forderte eine eidesstattliche Erklärungen aller männlichen Mitglieder ein, um zu bestätigen, dass es auch vor Inkrafttreten der entsprechenden Richtlinie in der Vereinssatzung diesbezüglich kein Fehlverhalten unter Mitgliedern gab. Mittlerweile hat die überwiegende Mehrheit der männlichen Mitglieder diese Erklärung unterschrieben. Anlässlich der nächsten Mitgliederversammlung im November 2019 wird entschieden, ob die Namen der Mitglieder, die die Ehrenerklärung unterzeichnet haben, auf der Homepage veröffentlicht werden.

Nach Ansicht des Vorstandes ist derartiges Verhalten, ungeachtet des Fehlens entsprechender Richtlinien damals, nicht vertretbar – weder in der damaligen noch in der heutigen Praxis der Spendersamenbehandlung. Die Richtlinien, der Verbandskodex und die Anforderungen an ethisch und menschlich korrektes Verhalten sind eindeutig. Vertrauenswürdigkeit ist und bleibt die Grundlage der Kinderwunschmedizin.

Gleichzeitig versichert der Arbeitskreis auch weiterhin durch Teilnahme am öffentlichen Diskurs in allen Fragen der Reproduktionsmedizin dazu beizutragen, sämtlichen Wunscheltern und aus einer medizinischen Samenspende entstandenen Kindern eine umfassende und zuverlässige Vertrauensbasis zu bieten.

Die Mitglieder und der amtierende Vorstand des Arbeitskreises für Donogene Insemination e.V. setzen sich bereits seit Jahren dafür ein, Versäumnisse der Vergangenheit zu korrigieren, den offenen Umgang und die frühe Aufklärung der Spenderkinder, die psychosoziale Beratung von Wunscheltern und Samenspendern und den Dialog aller Beteiligten voranzubringen.

Der Vorstand des Arbeitskreises bedauert es, dass eine Entschuldigung für die damals durchgeführte Spendersamenbehandlung unter Verwendung seines eigenen Samens durch Prof. Dr. Katzorke bei den betroffenen Personen bislang nicht erfolgt ist.

Die Reproduktionsmedizin hat insbesondere in den vergangenen 25 Jahren große Fortschritte gemacht. Gerade deshalb besteht ein erheblicher Bedarf für Neuregelungen ebenso wie für die Nachbesserung bestehender Richtlinien und Gesetze. Obgleich heutige Regelungen ethisch verwerfliches und ärztlich inakzeptables Vorgehen in der heutigen Reproduktionsmedizin ausdrücklich verbieten, zeigt sich hier umso mehr, dass noch immer ein Bedarf an Aufarbeitung besteht. Der amtierende Vorstand des Arbeitskreises für Donogene Insemination e.V. wird weiterhin alles daran setzen, die Rahmenbedingungen für eine transparente, ethisch einwandfreie, seriöse und medizinisch-ethisch an höchsten Qualitätsstandards orientierte Kinderwunschbehandlung mit Spendersamen zu gewährleisten.